Nie war es so klar wie heute, dass die Menschheit dringend eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und dem Schutz unserer Umwelt finden muss.

Wie wir unsere Lebensmittel produzieren, kann starke Auswirkungen auf die Tiere haben, mit denen wir unseren Planeten teilen. Natürlich hat jede Lebensmittelproduktion ökologische und soziale Auswirkungen – die Herstellung von Nahrungsmitteln ist eine Interaktion mit der Natur und hinterlässt somit zwangsläufig Spuren. Mit verantwortungsbewussten Praktiken lassen sich diese Auswirkungen jedoch abmildern und reduzieren.

Am stärksten wirkt sich die Lebensmittelproduktion potenziell auf die Artenvielfalt aus, sei es dadurch, dass absichtlich oder zufällig wertvoller Lebensraum zerstört oder Umgebungen so verändert werden, dass bestimmte Arten nicht mehr überleben können. Das Endergebnis von verantwortungsloser Produktion kann die Zerstörung der Artenvielfalt und der Verlust von Wildtieren sein. Abgesehen von den damit verbundenen moralischen Fragen, stellt ein Planet mit schwindender Artenvielfalt eine Bedrohung für die Menschheit dar: Indem wir das empfindliche Gleichgewicht der Ökosysteme verändern, setzen wir Kettenreaktionen mit unvorhersehbaren Folgen in Gang, die wir möglicherweise nicht mehr stoppen können.

Aus all diesen Gründen nimmt der ASC den Schutz der Artenvielfalt sehr ernst. Vor ihrer ASC-Zertifizierung müssen alle Zuchtbetriebe eine Biodiversitäts- und Umweltverträglichkeitsprüfung bzw. eine Prüfung der potenziellen Auswirkungen der Farm auf die Artenvielfalt und die Umwelt durchführen. Diese Prüfung muss eine Analyse der Chancen und Probleme für die lokale Artenvielfalt beinhalten. Ziel ist es, sicherzustellen, dass es zu keinem Nettoverlust der Artenvielfalt kommt. Diese Prüfungen müssen zudem gegenüber den lokalen Interessengruppen und Gemeinschaften offengelegt werden, die natürlich ebenfalls ein Interesse am Schutz der lokalen Ökosysteme haben.

Lachszucht in Chile

Alle ASC-Standards haben einen Null-Toleranz-Ansatz, was die Tötung von Meeressäugetieren und Vögeln betrifft, die auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Der Tod einer Art muss dokumentiert und transparent publiziert werden. In Fällen, in denen ein besonderes Risiko für Auswirkungen auf bestimmte Arten besteht, enthält der ASC-Standard spezifische Grenzwerte für Todesfälle.

Wird Aquakultur verantwortungslos betrieben, so kann sie Lebensräume und die von ihnen abhängigen Ökosysteme zerstören – eine große Gefahr. Viele Lebensräume gelten gemäß internationalen Vereinbarungen oder Protokollen als essentiell für gefährdete Arten oder auf andere Weise als lebenswichtig und schutzwürdig. Alle diese Lebensräume werden daher durch die ASC-Standards geschützt.

Mangrovenwald in Indonesien. Foto von Joel Vodell, Unsplash

Ein Beispiel sind Mangroven: Diese Wälder bieten einen wichtigen Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt und spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz der Küstenlinien sowie bei der Speicherung von Kohlenstoff. Sie liegen jedoch häufig in Gebieten, in denen vornehmlich Garnelenzucht betrieben wird. Dies kann eine Bedrohung für sie darstellen.

Der ASC berücksichtigt dies in seinen Standards: Eine Garnelenfarm darf nicht zertifiziert werden, wenn sie nach 1999 in Mangroven-Ökosystemen oder anderen natürlichen Feuchtgebieten gebaut wurde. Ähnliche Schutzmaßnahmen gibt es für andere wichtige Ökosysteme, z. B. Seegraswiesen.

Seegraswiesen. Foto von Benjamin Jones, Unsplash

Fischzucht kann eine wichtige Rolle beim Schutz von Wildfischpopulationen spielen, weil sie tierisches Protein produziert, ohne die Wildfischbestände zu erschöpfen. Aber nur, wenn dies verantwortungsvoll geschieht. Wenn nicht, dann kann sich die Fischzucht auf vielfältige Weise negativ auf benachbarte Wildpopulationen auswirken. Aus diesem Grund müssen ASC-zertifizierte Zuchten sorgfältig auf die Gesundheit ihrer Fische achten und Risiken – zum Beispiel durch Krankheiten und Parasiten – überwachen und reduzieren. Dies ist nicht nur aus Gründen des Tierwohls wichtig, sondern leistet auch einen Beitrag zum Schutz der nahegelegenen Wildpopulationen vor diesen Krankheiten und Parasiten. Eine ähnliche Wirkung erfüllen die strengen Anforderungen des ASC in Bezug auf den verantwortungsvollen Einsatz von Chemikalien und Arzneimitteln.

Zuchtfische können jedoch eine noch direktere Auswirkung auf Wildpopulationen haben: Wenn sie aus den Gehegen entweichen, können sie Wildfischen Konkurrenz machen oder sich mit ihnen fortpflanzen und so ihre Erbanlagen verändern. Für ASC-zertifizierte Farmen gibt es strenge Obergrenzen für solche Ausbrüche und sie müssen Maßnahmen treffen, um dies zu verhindern. Wenn es zu Ausbrüchen kommt, muss dies zudem öffentlich berichtet werden.

Fischzucht in Vietnam

Des Weiteren gibt es Auswirkungen, die weniger direkt und offensichtlich sind: Die in der Aquakultur eingesetzten Futtermittel können unterschiedlichste Bestandteile mit jeweils spezifischen Auswirkungen auf die Umwelt enthalten. Der künftige ASC-Futtermittelstandard verlangt, dass die Beschaffung aller Futterbestandteile, unabhängig davon, ob sie an Land oder im Meer produziert werden, verantwortungsvoll und transparent erfolgt.

Fischzuchten können darüber hinaus mit ihrem Plastikabfall die Umwelt verschmutzen. Das Ausmaß des Plastikproblems in den Weltmeeren ist in den letzten Jahren bekannt geworden, und auch wenn die Aquakultur diesbezüglich keinesfalls ein Hauptverursacher ist, wird der ASC bei diesem wichtigen Thema dennoch aktiv. Wir haben uns mit diesem Problem und den speziellen Gefahren durch Müll im Meer und Plastikabfällen aus der Aquakultur auseinandergesetzt. Die Ergebnisse haben wir anschließend der UN und der International Marine Organisation zur Verfügung gestellt, um diese bei der Lösung dieses Problems zu unterstützen. Außerdem haben wir die Ergebnisse dazu verwendet, um neue Anforderungen an ASC-zertifizierte Farmen zu entwickeln, damit diese sämtliche eingesetzte Kunststoffe ordnungsgemäß dokumentieren und entsorgen.

Nicht nur die Aquakultur hat potenzielle Auswirkungen auf die Artenvielfalt: Jede Lebensmittelproduktion wirkt sich auf unterschiedliche Weise aus. Wir vom ASC haben uns die besonderen Auswirkungen der Fischzucht angesehen und Standards aufgestellt, um diese zu minimieren. So stellen wir sicher, dass unabhängig davon, welche Art gezüchtet wird, ASC-zertifizierte Züchter immer daran arbeiten, ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren und das richtige Gleichgewicht mit ihrem lokalen Ökosystem zu finden.

×
×
Confidental Infomation