Warum wir einen ganzheitlichen Ansatz für verantwortungsvolles Fischfutter brauchen
Juli 30, 2025
Verantwortungsvoll erzeugte Meeresfrüchte beginnen nicht erst auf der Farm – sie beginnen beim Futter und den Rohstoffen, aus denen es hergestellt wird.
Wenn wir Aquakultur nachhaltiger gestalten wollen, müssen wir Futtermittelzutaten ganzheitlich auf Risiken bewerten.
„Der ASC-Futtermittelstandard hilft uns, unsere Lieferketten abzusichern, Fragen des Handels zu beantworten, unsere Auswirkungen zu verringern und bietet zudem wirtschaftliche Chancen.“
— Adam Brennan, Chief Sustainability Officer, Thai Union
Warum Fischfutter wichtig ist
Futtermittel sind nicht einfach nur ein Produktionsfaktor – sie gehören zu den größten Einflussfaktoren der Aquakultur. Die Futtermittelindustrie steht vor zahlreichen miteinander verknüpften Herausforderungen und hat vielfältige Auswirkungen:
- Bis zu 80 % des CO₂-Fußabdrucks einer Fischzucht entfallen auf das Futter – vor allem durch Entwaldung und Umwandlung von Landflächen für pflanzliche Rohstoffe.
- Es bestehen erhebliche soziale Risiken, etwa durch Zwangs- und Kinderarbeit in den langen und komplexen Lieferketten der Futtermittelzutaten.
- Auch wirtschaftlich ist Futter ein wesentlicher Faktor, da es einen großen Teil der Produktionskosten auf der Farm ausmacht.
Umwelt- und Sozialrisiken bis auf Rohstoffebene adressieren
Der ASC-Futtermittelstandard wurde über mehrere Jahre hinweg sorgfältig entwickelt – gemeinsam mit Expert*innen aus der Futtermittelproduktion, dem Einzelhandel, von NGOs, aus der Aquakultur und weiteren Interessengruppen.
Er verpflichtet Futtermittelwerke dazu:
- Strenge ökologische und soziale Anforderungen einzuhalten
- Zutaten von verantwortungsvollen Lieferanten zu beziehen
- Rohstoffe mit geringem Umwelt- und Sozialrisiko zu verwenden
Der ASC-Futtermittelstandard ist der erste Standard, der die Auswirkungen aller wichtigen Rohstoffgruppen sowie der gesamten Lieferkette berücksichtigt – vom Rohstoff über das Futtermittelwerk bis hin zur Farm.
Er deckt alle bedeutenden pflanzlichen Zutaten wie Weizen, Mais, Raps, Soja und Palmöl sowie marine Inhaltsstoffe ab. Die Anforderungen zur Leistungserfassung und -berichterstattung erhöhen die Transparenz entlang der gesamten Futtermittelkette, belohnen ökologische und soziale Verantwortung und unterstützen zukünftige Forschung im Bereich verantwortungsvolles Fischfutter.
„Unseren Verbraucherinnen und Verbrauchern nachhaltig erzeugten Fisch und Meeresfrüchte anzubieten, ist ein zentraler Bestandteil unseres Anspruchs, mit tiefgekühlten Lebensmitteln bessere Mahlzeiten zu ermöglichen.
Durch nachhaltige Beschaffungspraktiken und unsere Vorreiterrolle in verantwortungsvoller Aquakultur können wir dazu beitragen, die Übernutzung mariner Ressourcen zu verhindern und die langfristige Stabilität sowie Resilienz unserer Lieferketten zu stärken.
Deshalb unterstützen wir mit Überzeugung den ASC-Futtermittelstandard und verfolgen das klare Ziel, dass 100 % unserer Lieferanten ASC-zertifiziertes Futter verwenden – für eine nachhaltigere und verantwortungsvollere Zukunft von Fisch und Meeresfrüchten.“
— Stuart Price, Chief Procurement Officer, Nomad Foods
Aufbau des ASC-Futtermittelstandards
Der Standard basiert auf fünf Prinzipien:
- Prinzip 1 – Das Futtermittelwerk verfügt über ein Managementsystem zur Umsetzung des ASC-Futtermittelstandards, arbeitet rechtskonform sowie ökologisch und sozial verantwortlich.
- Prinzip 2 – Das Futtermittelwerk bezieht Rohstoffe verantwortungsvoll.
- Prinzip 3 – Das Futtermittelwerk weist Input und Output zertifizierungsfähiger Zutaten nach.
- Prinzip 4 – Das Futtermittelwerk bezieht marine Inhaltsstoffe verantwortungsvoll.
- Prinzip 5 – Das Futtermittelwerk bezieht pflanzliche Inhaltsstoffe verantwortungsvoll.
Jedes Prinzip definiert ein übergeordnetes Ziel, das gemeinsam zur Vision des ASC beiträgt.
Gemeinsam Fortschritt beschleunigen – für nachhaltigere Meeresfrüchte
Der ASC-Futtermittelstandard:
- Setzt einen neuen Maßstab für verantwortungsvolle Futtermittelproduktion und Rohstoffbeschaffung
- Stellt Transparenz und Rückverfolgbarkeit sicher – vom Futtermittelwerk bis zu den Lieferanten
- Ermöglicht es dem Markt – vom Einzelhandel bis zur Verarbeitung –, Verantwortung zu übernehmen und die Branche positiv zu verändern
„Mit der Zertifizierung endet die Reise nicht – die Transformation zu verantwortungsvollerem Futter muss vom Markt getragen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette umgesetzt werden.“
— Jorge Diaz, Global Sustainability Manager, Skretting
Wenn klar ist, welche Zutaten (und deren Herkunft) in Fischfutter verwendet werden, können die vorgelagerten Auswirkungen der Aquakultur besser nachvollzogen werden.
So können Risiken wie Entwaldung, Landumwandlung, Überfischung oder Zwangsarbeit gezielter angegangen und reduziert werden – zum Vorteil von Ökosystemen, Arbeitnehmenden, Gemeinschaften und Verbraucher*innen.
Der Blick auf pflanzliche Zutaten
Bei Soja und Palmöl ist Entwaldung das größte Problem. Bei anderen pflanzlichen Rohstoffen wie Weizen und Mais liegt das Hauptproblem oft in der Umwandlung natürlicher Ökosysteme, etwa von Grasland zu Ackerflächen.
ASC verlangt daher, dass auch andere pflanzliche Zutaten hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen bewertet werden.
Denn bei der Landnutzung geht es nicht nur um Wälder – auch andere Ökosysteme wie Savannen und Grasländer sind wichtig.
Neben der Risikobewertung für illegale Entwaldung und Landumwandlung fordert der ASC auch die Bewertung des Risikos von legalen Eingriffen. Das ist entscheidend, denn laut Studien sind 30 % der tropischen Entwaldung für landwirtschaftliche Zwecke rechtlich erlaubt – laut Gesetzgebung der jeweiligen Produktionsländer.
Der Auditprozess
Audits nach dem ASC-Futtermittelstandard folgen einem strikten Verfahren und werden ausschließlich von akkreditierten Zertifizierungsstellen (CABs) durchgeführt.
Der ASC selbst ist unabhängig vom Auditprozess und trifft keine Zertifizierungsentscheidungen.
Im Sinne größtmöglicher Transparenz sind alle Ergebnisse, Auditberichte und Zertifikate öffentlich auf der ASC-Website einsehbar.
„Unser Engagement für den ASC unterstützt nicht nur die hohen Beschaffungsstandards für Fisch bei Sainsbury’s, sondern trägt über den Futtermittelstandard auch zur Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele bei – etwa im Kampf gegen Entwaldung, Landumwandlung und bei der Reduktion unserer Scope-3-Emissionen.“
— Dave Parker, Head of Aquaculture and Fisheries, Sainsbury’s
Gemeinsam Wandel gestalten
Futtermittelwerke mit ASC-Zertifizierung leisten aktiv einen Beitrag zu verantwortungsvoller und nachhaltiger Aquakultur, indem sie:
- Die Anforderungen der Produzenten und Erwartungen der Verbraucher*innen an verantwortungsvolles Futter und Fisch erfüllen
- Ihr Engagement für kontinuierliche Verbesserung in ökologischen und sozialen Belangen zeigen
- Negative Auswirkungen von Futtermittelzutaten verringern
- Positive Umwelt- und Sozialwirkungen entlang der gesamten Lieferkette fördern
Zusammenarbeit ist der Schlüssel für echten und dauerhaften Wandel. Alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von Rohstofflieferanten und Futtermittelwerken über Zuchtbetriebe bis zu Verarbeitung, Einzelhandel und Gastronomie – müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Nur gemeinsam können wir die Branche wirklich in Richtung Nachhaltigkeit bewegen.