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Das ASC-Nachhaltigkeitssiegel

Was steckt wirklich hinter dem ASC-Nachhaltigkeitssiegel auf Fisch- und Meeresfrüchten?

Wenn Sie Produkte mit dem ASC-Nachhaltigkeitssiegel kaufen, entscheiden Sie sich für Fisch und Meeresfrüchte aus ASC-zertifizierten Zuchten, die unabhängig anhand fundierter Umwelt- und Sozialanforderungen geprüft wurden. Dabei wird bewertet, wie die Zuchten ihre Auswirkungen auf die Umwelt, die Tierwohl, Menschen und lokale Gemeinden steuern.

Was ist Aquakultur?

Aquakultur bezeichnet die Zucht von Fisch und Meeresfrüchten. Ähnlich zum Anbau von beispielsweise Weizen oder der Hühnerzucht in der Landwirtschaft, werden in der Aquakultur Fische, Krebstiere, Muscheln und Algen gezielt gezüchtet.

Heute liefert die Aquakultur mehr als die Hälfte der weltweit konsumierten Fisch- und Meeresfrüchte. Seit vier Jahrzehnten ist sie der am schnellsten wachsende Bereich der Lebensmittelerzeugung. Auch künftig wird Aquakultur eine wichtige Rolle bei der Ernährung einer zunehmend größeren Weltbevölkerung spielen.

Woran werden Zuchten bewertet?

ASC-zertifizierte Zuchten müssen umfassende Anforderungen erfüllen, die auf Verbesserungen in den Bereichen Umwelt, Tierwohl, Menschen und Betrieb ausgerichtet sind.

Schutz von Ökosystemen, Wildtieren und Biodiversität

Zuchten müssen ihre Umweltauswirkungen überwachen, messen und steuern.

Die Ansiedlung von Zuchten in sensiblen oder geschützten Gebieten wie Mangroven, Mooren, Feuchtgebieten oder Flussökosystemen ist nur in begrenzten Ausnahmefällen zulässig.

  • Schutz von Wasserressourcen: ASC-zertifizierte Zuchten müssen die Wasserqualität regelmäßig überprüfen und nachweisen, dass festgelegte Grenzwerte eingehalten werden. Das trägt dazu bei, Krankheitsrisiken zu verringern und Auswirkungen auf die umliegende Umwelt, beispielsweise auf den Meeresboden, zu begrenzen.
  • Schutz der Biodiversität und wildlebender Fischbestände: Der ASC-Lachsstandard verlangt beispielsweise ausdrücklich Umweltverträglichkeitsprüfungen zum Schutz von Vögeln, Meeressäugern und sensiblen Lebensräumen. Auch die übrigen ASC-Standards untersagen negative Auswirkungen auf gefährdete Arten.

Darüber hinaus enthalten alle Standards Anforderungen zur Vermeidung von Fischentweichungen, um wildlebende Bestände zu schützen.

Fischgesundheit

Die ASC-Standards legen den Schwerpunkt auf die Vorbeugung von Krankheiten statt auf deren Behandlung.

  • Jede Zucht muss unter tierärztlicher Aufsicht einen umfassenden Plan zum Management der Fischgesundheit umsetzen.
  • Wenn medizinische Behandlungen erforderlich sind, gelten klare Vorgaben, darunter:
  • Reduktionspläne und artspezifische Obergrenzen für den Einsatz von Antibiotika (für Garnelen mit ASC-Siegel ist der Antibiotikaeinsatz ausgeschlossen)
  • Ziele zur Verringerung von Arzneimittelbehandlungen gegen Parasiten (wie Lachsläuse)
  • Öffentliche Berichterstattung sowie Abstimmung mit benachbarten Zuchten, um regionale Krankheitsausbrüche zu verhindern
Ressourcen effizient nutzen

ASC-zertifizierte Zuchten erfassen und dokumentieren ihren Energieverbrauch und ihre Treibhausgasemissionen, um ihre Energieeffizienz kontinuierlich zu verbessern.

Was gezüchtete Fische fressen, spielt eine entscheidende Rolle. ASC-zertifizierte Zuchten müssen die Effizienz der Fütterung verbessern. Dazu gehören die Verringerung von Futterverlusten, die Reduzierung von Nährstoffen, die über Futterreste und Ausscheidungen in umliegende Gewässer gelangen, sowie die Begrenzung des Einsatzes von Fischmehl und Fischöl aus Wildfischen, die speziell zur Futtermittelherstellung gefangen werden.

Seit dem 31. Oktober 2025 müssen ASC-zertifizierte Zuchten Futtermittel verwenden, die den Anforderungen des ASC-Futtermittelstandards entsprechen und in ASC zertifizierten Futtermühlen hergestellt wurden.

Durch die direkte Verknüpfung von Zuchtanforderungen mit den Lieferketten der Futtermittelhersteller wird sichergestellt, dass marine Rohstoffe zertifiziert sind oder aus Fischereien stammen, die sich in einem Verbesserungsprozess befinden. Gleichzeitig müssen pflanzliche Rohstoffe so beschafft werden, dass Risiken im Zusammenhang mit Entwaldung vermieden werden. Dadurch werden die Auswirkungen auf Entwaldung, Landumwandlung und Überfischung entlang der Lieferkette reduziert.

Arbeitsbedingungen und umliegende Gemeinden

Menschenrechte sind ein zentraler Bestandteil der ASC-Anforderungen. Diese orientieren sich an den Kernprinzipien der International Labour Organization (ILO).

ASC-zertifizierte Zuchten werden anhand eines breiten Spektrums sozialer Kriterien bewertet, darunter:

  • faire Löhne, klare Arbeitsverträge und sichere Arbeitsbedingungen
  • das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit
  • Beschwerdeverfahren sowie die Berücksichtigung umliegender Gemeinden und indigener Völker

Was bedeutet „Zertifizierung“?

Die Teilnahme am ASC-Programm ist freiwillig. Zuchten können sich dafür entscheiden, anhand der ASC-Anforderungen geprüft zu werden. Die Audits werden von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt, den sogenannten Conformity Assessment Bodies (CABs). Dadurch wird sichergestellt, dass die Bewertung unparteiisch erfolgt. Die Zertifizierungsstellen entsenden qualifizierte Auditor:innen mit der Prüfung, ob die Zuchten die ASC-Anforderungen erfüllen. Die Zertifizierung erfolgt in einem dreijährigen Zyklus. Dieser beginnt mit einem Erstaudit und wird durch zwei jährliche Überwachungsaudits ergänzt, um die fortlaufende Einhaltung der Anforderungen zu überprüfen. Nach drei Jahren läuft ein Zertifikat aus und Zuchten müssen sich erneut Re-zertifizieren lassen. Nur Zuchten, die diese Prüfungen erfolgreich bestehen, können eine ASC-Zertifizierung erhalten und das ASC-Siegel auf ihren Produkten verwenden.

Wie funktioniert die ASC-Zertifizierung?

Der ASC zertifiziert die Zuchten nicht selbst. Die Bewertung erfolgt durch unabhängige Zertifizierungsstellen, sogenannte Conformity Assessment Bodies (CABs). Diese Zertifizierungsstellen müssen akkreditiert sein. Das bedeutet, dass ihre Arbeitsweise, Qualität der Gutachten, Ausbildung der Gutachter und vieles mehr von einer unabhängigen Stelle überprüft werden. Wir nennen das ein Dreiparteiensystem.

Für die Durchführung der Audits vor Ort beauftragen diese akkreditierten CABs qualifizierte Auditor:innen. Diese prüfen Daten und Unterlagen, besichtigen die Betriebe und führen Gespräche mit Mitarbeitenden sowie mit Nachbarn aus den umliegenden Gemeinden.

Eine Zucht ist automatisch nicht zertifizierungsfähig, wenn sie in der jüngeren Vergangenheit Betrug, Kinder- oder Zwangsarbeit, Verstöße gegen Umweltvorschriften oder den Verkauf nicht zertifizierter Produkte als ASC aufweist.

Wie werden Audits genau durchgeführt

Zertifizierung erhalten und aufrechterhalten

ASC-zertifizierte Zuchten durchlaufen einen dreijährigen Zertifizierungszyklus. Dieser beginnt mit einem Erstaudit und umfasst anschließend zwei jährliche Überwachungsaudits, um die fortlaufende Einhaltung der Anforderungen sicherzustellen. Während dieses Zyklus müssen Zuchten die Anforderungen des ASC-Standards ständig erfüllen. Dazu gehören neben den regulären Audits auch unangekündigte Audits, Audits während der Hauptproduktionszeit sowie Untersuchungen und Suspendierungen, wenn die Zucht schwerwiegende Probleme hat den ASC Standard umzusetzen. Diese kontinuierliche Überwachung ist Teil des ASC Qualitätssicherungs- und Kontrollsystems und trägt dazu bei, die Integrität von ASC-zertifizierten Zuchten und ASC-gekennzeichneten Produkten sicherzustellen.

Wenn Auditor:innen feststellen, dass eine Zucht bestimmte Anforderungen nicht erfüllt, werden diese Abweichungen (sogenannte Nichtkonformitäten) nach ihrem Schweregrad bewertet. Dieses System soll kontinuierliche Verbesserungen fördern.

  • Sofortige Suspendierung oder Nicht-Zertifizierung: Bei schwerwiegenden Verstößen, beispielsweise beim Nachweis verbotener Antibiotika oder bei unmittelbaren Risiken für die Arbeitssicherheit, wird die Zertifizierung verweigert oder unmittelbar suspendiert. Die Farm kann den Zertifizierungsprozess erst fortsetzen, wenn die Ursache identifiziert und vollständig behoben wurde.
  • Möglichkeiten zur Verbesserung: Bei weniger schwerwiegenden Abweichungen wird die Zucht nicht direkt ausgeschlossen. Stattdessen erhält sie eine festgelegte Frist, um die Ursachen zu analysieren und einen genehmigten Maßnahmenplan zur Behebung der festgestellten Probleme umzusetzen.

Unsere Transparenzverpflichtung

Transparenz ist ein wesentlicher Bestandteil des ASC-Programms. Alle Audits, außer sie sind unangekündigt, werden 42 Tage im Voraus angekündigt. Dadurch entsteht ein öffentlicher Konsultationszeitraum, in dem Interessengruppen wie Nachbarn, oder andere Züchter Rückmeldungen geben und mögliche Probleme direkt an die Auditor:innen melden können. Diese Rückmeldungen werden ausschließlich vom Auditteam bearbeitet, um eine unabhängige und objektive Bewertung der Zucht sicherzustellen. Alle Auditergebnisse werden auf der ASC-Website veröffentlicht, einschließlich negativer Entscheidungen. Darüber hinaus ist der Zertifizierungsstatus öffentlich einsehbar. Dazu gehören unter anderem laufende Erstzertifizierungen, nicht bestandene Audits sowie Zertifizierungen, die nicht erteilt, ausgesetzt, entzogen, aufgehoben oder abgelaufen sind.

Wer kontrolliert die Auditor:innen?

Um sicherzustellen, dass das ASC-Programm ordnungsgemäß umgesetzt wird und die Anforderungen eingehalten werden, wird die Arbeit der Zertifizierungsstellen (CABs) durch eine weitere unabhängige Integritätsstelle überprüft. Dies geschieht unter anderem durch Bewertungen und sogenannte Witness Audits, bei denen Audits beobachtet und bewertet werden.

Erfüllen eine Zertifizierungsstelle oder ihre Auditor:innen die Anforderungen nicht, können sie suspendiert werden oder ihre Akkreditierung verlieren.

  • Derzeit werden diese Integritäts- und Akkreditierungsleistungen von Assurance Services International (ASI) erbracht. Auf der ASI-Website finden Sie eine Übersicht aller akkreditierten Zertifizierungsstellen sowie die Ergebnisse der ASI-Bewertungen.
  • Kontrollen in Zukunft: Um die Akkreditierung weiter an internationale Best Practices anzupassen, überträgt ASC die Akkreditierungsfunktion schrittweise auf nationale Akkreditierungsstellen (Accreditation Bodies, ABs), die Mitglieder des International Accreditation Forum (IAF) sind. ASI wird die unabhängigen Integritätsleistungen weiterhin erbringen.

Wie wird ASC-zertifizierter Fisch und Meeresfrüchte entlang der Lieferkette kontrolliert?

 

Fisch und Meeresfrüchte aus ASC-zertifizierten Zuchten müssen während der Verarbeitung und des Transports jederzeit getrennt von nicht zertifizierter Ware gelagert werden. Dadurch wird verhindert, dass zertifizierte und nicht zertifizierte Produkte miteinander vermischt werden.

Sobald ASC-zertifizierte Fisch- und Meeresfrüchte die Zuchten verlassen, muss jedes weitere Unternehmen in der Lieferkette, dass diese Produkte besitzt oder verarbeitet, über eine gültige ASC Lieferketten-Zertifizierung verfügen. Lieferkettenzertifizierung bedeutet, dass jedes Unternehmen jedes Produkt entlang der gesamten Lieferkette von der Zucht bis zur Verpackung im Supermarkt über die Systeme der vorhergegangen einzelnen Unternehmen zurückverfolgen kann. So wird sichergestellt, dass die Produkte tatsächlich aus zertifizierten Quellen stammen und nicht mit nicht zertifizierter Ware vermischt werden.

Zur Überprüfung der Herkunft von ASC-zertifizierten Fisch- und Meeresfrüchten nutzt ASC den Lieferkettenstandard des Marine Stewardship Council (MSC) sowie das ergänzende ASC Supplychain Modul.

Wissenschaftlich fundiert, international anerkannt

Der Aquaculture Stewardship Council (ASC) wurde 2010 von der niederländischen Sustainable Trade Initiative (IDH) und WWF Niederlande gegründet.

ASC ist eine unabhängige NGO (Nichtregierungsorganisation), die dazu beiträgt, zentrale Umwelt- und Sozialauswirkungen der Aquakultur, weltweit zu verringern.

So arbeitet ASC: Transparenz und Fachkompetenz

Der ASC setzt auf Transparenz, Unabhängigkeit und die Einbindung verschiedener Interessengruppen. Unterschiedliche Perspektiven fließen in die Organisations- und Entscheidungsstrukturen ein.

Board of Trustees

Das Board of Trustees setzt sich aus Vertreter:innen aus Wissenschaft, NGOs sowie dem öffentlichen und privaten Sektor zusammen.

Technical Advisory Group (TAG)

Die Technical Advisory Group (TAG) bringt fachliche Expertise aus unterschiedlichen Bereichen der Aquakultur ein. Unterstützt wird sie durch Technical Working Groups (TWGs) und Ad-hoc Advisory Groups (AAGs), die bei spezifischen fachlichen Fragestellungen und der Weiterentwicklung der Standards beraten.

Finanzierung und Unabhängigkeit

Der ASC finanziert sich durch jährliche Gebühren von Lizenznehmern sowie durch Lizenzgebühren für die freiwillige Nutzung des ASC-Siegels auf Verbraucherprodukten. Einnahmen werden direkt in die Weiterentwicklung der Standards, die Qualitätssicherung und die kontinuierliche Verbesserung des Programms reinvestiert. Darüber hinaus beantragt ASC Fördermittel für ausgewählte Projekte und Themenbereiche.

Internationale Referenzrahmen und Anerkennung

Ausrichtung an den FAO-Leitlinien

Die ASC-Standards, Qualitäts- und Kontrollsysteme stehen im Einklang mit dem Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei (Code of Conduct for Responsible Fisheries, CCRF) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sowie den FAO-Leitlinien für nachhaltige Aquakultur (Guidelines for Sustainable Aquaculture, GSA).

ISEAL-anerkannte Standards

Der ASC ist das einzige Zertifizierungsprogramm für gezüchtete Fische und Meeresfrüchte, dessen Standards nach dem ISEAL Code für glaubwürdige Zertifizierungssysteme von anerkannt sind. ISEAL ist ein unabhängige Organisation, die weltweit Maßstäbe für glaubwürdige und transparente Zertifizierungssysteme setzt.

Internationale Anerkennung

Der ASC wird im Benchmark der Global Sustainable Seafood Initiative (GSSI) anerkannt und in den Leitlinien der International Finance Corporation (IFC) der Weltbankgruppe für nachhaltig beschaffte Fisch- und Meeresfrüchte-Lieferketten berücksichtigt.

Warum das ASC-Nachhaltigkeitssiegel wichtig ist

Mit der Wahl von Fisch- und Meeresfrüchteprodukten mit ASC-Siegel tragen Sie dazu bei:

  • Gewässer und umliegende Lebensräume zu schützen
  • Auswirkungen auf Wildtiere und die Artenvielfalt zu verringern
  • Die Gesundheit und Wohlbefinden der gezüchteten Fische und Meeresfrüchte zu fördern
  • Für mehr Transparenz entlang der Lieferkette zu sorgen
  • Gute Arbeitsbedingungen und den Dialog mit lokalen Gemeinden zu stärken
  • die kontinuierliche Weiterentwicklung von Zuchtmethoden voranzutreiben

Die Informationen auf dieser Seite basieren auf den ASC-Speziesstandards. Im Mai 2025 hat der ASC den ASC-Farmstandard eingeführt. Dieser führt die bisherigen ASC-Spezies-Standards in einem globalen Standard zusammen und sorgt für eine stärkere Harmonisierung der Anforderungen über alle vom ASC abgedeckten Arten hinweg. Derzeit gilt eine Übergangsphase, damit Zuchten ausreichend Zeit haben, sich auf die aktualisierten Anforderungen vorzubereiten und diese umzusetzen.

Erfahren Sie mehr über die erste nach dem ASC-Farmstandard zertifizierte Zucht.