Am Mittwoch, den 1. September, startet der ASC mit einer 60-tägigen Konsultationsphase. Zur Begutachtung stehen auf der einen Seite neue Anforderungen bezüglich des Tierwohls in ASC-zertifizierten Zuchtbetrieben, die unter anderem die Themen Wasserqualität, Besatzdichte und Schlachtung umfassen. Gleichzeitig konsultiert der ASC auch zu Prozessdokumenten, die den kürzlich veröffentlichten Futtermittelstandard begleiten werden. Beide Konsultationen stehen der gesamten Öffentlichkeit, Interessierten wie Fachleuten, offen.

Konsultation zur Verbesserung des Tierwohls in ASC-zertifizierten Zuchtbetrieben

Der ASC arbeitet evidenzbasiert und ist streng der Wissenschaft verpflichtet. Auf dieser Basis hat die technische Arbeitsgruppe des ASC – bestehend aus Wissenschaftlern, Nichtregierungsorganisationen, Erzeugern und Einzelhändlern – Studien und Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben, um Vorschläge für neue Anforderungen zu machen.

Es hat sich gezeigt, dass das Thema Tierwohl sehr umfangreich und die Untersuchung einiger Bereiche so neu ist, dass das Thema am besten in zwei Phasen erarbeitet wird.

Dieser Ansatz ermöglicht es dem ASC, mit Indikatoren zu Themen voranzukommen, für die es eine klare Evidenzbasis gibt und die kurzfristig umgesetzt werden können, während andere Themen weiter erforscht werden. Für die Konsultation bedeutet das: In einigen Fragen werden die Interessengruppen um Rückmeldung zu bestimmten vorgeschlagenen Themen gebeten, die in die ASC-Standards aufgenommen werden sollen. In anderen Bereichen wird hingegen nach Informationen gefragt, die anschließend für die Entwicklung weiterer Anforderungen verwendet werden.

Die aktuelle Konsultation ist die erste Phase des umfassenden Tierwohlprojekts beim ASC und richtet sich vor allem an Erzeuger, Experten von Tierschutz-NGOs, Wissenschaftler und Forscher sowie Gutachter.

Die aktuelle Konsultation umfasst folgende Aspekte:

  • Anforderungen an die beste Praxis hinsichtlich Wasserqualität
  • Festlegung von Grenzwerten für die Besatzdichte
  • Zunächst das Verbot einer Reihe von Betäubungs- und Tötungsverfahren: Erstickung, Kohlendioxid, Salzbäder und Ammoniak. In späteren Phasen werden weitere Anforderungen hinzukommen, beispielsweise das Verbot der Verwendung von Eisbädern als Betäubungs- bzw. Tötungsverfahren. So sollen kontinuierliche Verbesserungen gefördert werden.

In der ersten Phase gelten die oben genannten Anforderungen für ASC-zertifizierte Fische. Darüber hinaus werden für die Zucht aller Spezies, auch für Garnelen und Muscheln, Anforderungen zur guten Managementpraxis vorgeschrieben, die Themen wie Personalschulung und Risikobewertung abdecken.

Janneke Aelen, Koordinatorin für Fischwohl beim ASC, sagt dazu: „Unsere Interessengruppen und viele Verbraucher wünschen sich verständlicherweise, dass der ASC um Anforderungen an das Wohl von Tieren ergänzt wird. Gleichzeitig befinden wir uns bei einigen dieser Themen auf unbekanntem Terrain. Bei der Entwicklung neuer Indikatoren geht es manchmal darum, bereits vorhandene Erkenntnisse zu sammeln, aber im Falle einiger Tierwohlfragen mussten und müssen wir eigene Untersuchungen in Auftrag geben.“ Und weiter: „ASC ist in erster Linie eine evidenzbasierte Organisation. Der phasenweise Ansatz ermöglicht es uns, die dringendsten Tierschutzprobleme anzugehen und gleichzeitig sicherzustellen, dass wir nicht von unseren Grundsätzen der Wissenschaftlichkeit und Fundiertheit abrücken.“

Prozessdokumente zum Futtermittelstandard

Begleitend zum Futtermittelstandard werden zwei weitere Dokumentenentwürfe veröffentlicht: die Zertifizierungs- und Akkreditierungsanforderungen (CAR) und die Anforderungen an die Zertifizierungseinheit (RUoC). Während der Standard selbst die genauen Anforderungen festlegt, die eine Mühle erfüllen muss, beschreibt das CAR-Dokument die Anforderungen für die Zertifizierungsstelle, um Audits nach dem ASC-Futtermittelstandard durchführen zu können. Das RUoC-Dokument richtet sich an die Organisationen, die eine Zertifizierung anstreben, d. h. in diesem Falle an die Futtermühlen. Beide Dokumente haben dieselbe Struktur wie die Prozessdokumente, die es bereits für ASC-Zuchtbetriebe gibt.

Zu den neuen Elementen des Futtermittelstandards gehören beispielsweise Anforderungen für die Prüfung (Due Diligence) der Lieferanten der Inhaltsstoffe und zwei Modelle für die Bilanzierung von Inhaltsstoffen, bekannt als Massenbilanz und Segregation. Die beiden Dokumente enthalten Anforderungen für die Umsetzung dieser neuen Elemente, um sicherzustellen, dass der Standard konsistent und effektiv geprüft wird.

Jennifer Glancy, Projektleiterin beim ASC, dazu: „Unsere Standards sind das Herzstück unserer Arbeit, aber die begleitenden Prozess-Dokumente definieren, wie der Auditprozess vom Anfang bis zur Zertifizierung durchgeführt werden soll. Diese Dokumente sind daher von entscheidender Bedeutung für den wirksamen Einsatz des Futtermittelstandards.“

Nächste Schritte

Die Rückmeldungen auf beide Konsultationen fließen in die Überarbeitung der Entwürfe ein. Die erste Phase der des Tierwohlprojekts hat die Absicht, die Anforderungen in den harmonisierten ASC Farmstandard aufzunehmen, der alle zertifizierten Spezies in einem Standard zusammenfassen wird. Die zweite Phase und somit auch die zweite Konsultation zum Thema Tierwohl ist für 2022 geplant. Die anderen Dokumente (CAR und RUoC) sollen noch dieses Jahr von den ASC Gremien abgesegnet und mit Beginn 2022 veröffentlicht werden.

Veröffentlicht am
Mittwoch, 01 September 2021
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