• Der Standard sieht vor, dass Futtermittelhersteller strenge ökologische und soziale Anforderungen erfüllen.

  • Er ist ein wichtiger Meilenstein für die Branche, weil er alle Inhaltsstoffe – marine und pflanzliche – sowie die gesamte Lieferkette einschließt.

  • Nach einer 14-monatigen Vorbereitungsphase tritt der Standard im September 2022 in Kraft.

Die weltweite Aquakultur hat ein enormes Potential, die wachsende Weltbevölkerung klimafreundlich zu ernähren. Doch nicht nachhaltige Praktiken könnten die positiven Effekte von gezüchtetem Fisch zunichte machen.

Besonders das Futtermittel und die dazugehörige Lieferkette spielt für die Ökobilanz von Zuchtfisch eine wichtige Rolle. Um in diesem Bereich positive Veränderungen zu fördern, veröffentlicht der Aquaculture Stewardship Council (ASC) heute einen Futtermittelstandard, der konkrete Anforderungen an die Ressourcenbeschaffung und Produktion von Futter stellt.

Der Futtermittelstandard wurde über mehrere Jahre von einer Expertengruppe, bestehend aus Wissenschaftlern, Futtermittelherstellern, NGOs, Züchtern und anderen Interessengruppen, entwickelt. Er erfordert, dass Futtermittelfabriken strenge ökologische und soziale Anforderungen erfüllen, ihre Zutaten von sozial verantwortungsvollen Lieferanten beziehen und Rohstoffe aus verantwortungsvollen Quellen verwenden. Dabei werden sowohl Mängel in der Lieferkette als auch auf Rohstoffebene adressiert. Der Standard ermöglicht es, durch verpflichtende Berichte die Transparenz der Branche zu verbessern, ökologische Nachhaltigkeit zu belohnen und die zukünftige Forschung zu verantwortungsvollen Futtermitteln zu fördern.

Erweiterung auf Futtermittelhersteller und Lieferanten

Der Futtermittelstandard bezieht nun auch Futtermittelhersteller sowie deren Lieferanten ein. Die Futtermittelhersteller werden gemäß dem Standard auditiert. Den Produzenten und den Farmen wird allerdings Zeit gegeben, um sicherzustellen, dass auch ihre Lieferketten die ASC-Anforderungen erfüllen. Der Standard soll auch Anreize dafür schaffen, dass mehr Futtermittelhersteller auf eine Zertifizierung hinarbeiten, um die wachsende Nachfrage von ASC-Farmen zu erfüllen.

Neben ökologischer Nachhaltigkeit müssen die Futtermittelhersteller auch sicherstellen, dass sie und ihre Lieferanten sozial verantwortungsvoll handeln. So muss beispielsweise durch unabhängige Prüfer kontrolliert werden, dass Hersteller keine Zwangs- oder Kinderarbeit einsetzen sowie ihre Mitarbeiter fair bezahlen und behandeln. Darüber hinaus müssen sie in der Nachbarschaft verantwortungsvoll auftreten und proaktiv mit den Gemeinschaften vor Ort kommunizieren. Diese Anforderungen gelten zudem für die gesamte Lieferkette der zertifizierten Futtermittelhersteller. So kann in den Bereichen, in denen das Risiko dieser Probleme stärker ausgeprägt ist, eine positive Wirkung erreicht werden.

Als Proteinquelle hat die Aquakultur einen der niedrigsten CO2-Fußabdrücke, aber es ist wichtig, dass die Industrie ihren Fußabdruck entlang der gesamten Lieferkette überwacht und daran arbeitet, ihn zu reduzieren. ASC-zertifizierte Futtermühlen müssen ihren Energieverbrauch und ihre Treibhausgasemissionen aufzeichnen und melden. Sie müssen auch an der Verbesserung der Energieeffizienz, der Nutzung erneuerbarer Energien und an ihrem Wasserverbrauch arbeiten.

Der ASC-Futtermittelstandard verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und setzt auf Verbesserungsmodell für Fischereien 

Der Futtermittelstandard verwendet ein Verbesserungsmodell für marine Inhaltsstoffe, das vorsieht, dass Futtermühlen ihre Produkte vermehrt aus nachhaltigen Fischereien beziehen. MarinTrust und MSC (Marine Stewardship Council), beides volle ISEAL-Mitglieder, spielen dabei eine entscheidende Rolle und sind die wichtigsten Sprungbretter für Verbesserungen. Zwischenschritte sind anerkannte Fischereiverbesserungsprojekte.

Das Modell bietet Futtermittelherstellern eine einzigartige Möglichkeit, mit Fischmehl- und Fischöllieferanten zusammenzuarbeiten, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Die finale Stufe des Modells sieht vor, dass der größte Teil der verwendeten marinen Ressourcen aus MSC-zertifizierten Fischereien stammen soll.

„Ressourcen aus den Meeren spielen eine wichtige Rolle, da sie Zuchtfische mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen, aber wie alle Ressourcen müssen sie verantwortungsvoll eingesetzt und bezogen werden. Anstatt eine Art von Inhaltsstoff durch eine andere zu ersetzen, verfolgen wir mit dem Futtermittelstandard einen ganzheitlichen Ansatz. Denn alle Ressourcen – marine und pflanzliche – können sowohl Vor- als auch Nachteile haben“, erklärt Chris Ninnes, CEO vom ASC.

Bei pflanzlichen Inhaltsstoffen müssen die Hersteller, genauso wie bei marinen Ressourcen, alle Inhaltsstoffe, die mehr als 1 % eines Futtermittels ausmachen, erfassen und melden. Außerdem müssen sie Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass sie aus Lieferketten mit einem geringen Risiko für illegale Abholzung stammen. Darüber hinaus müssen sie bewerten, wie hoch das Risiko ist, dass Inhaltsstoffe mit hohem Risiko und hohem Volumen zur Abholzung oder Landumwandlung beitragen, und sich öffentlich dazu verpflichten, zu einer Lieferkette überzugehen, die frei von diesen zentralen negativen Umweltauswirkungen ist. Dieser Mechanismus basiert auf international anerkannten Schritten der Accountability Framework Initiative (AFi), um auf ethische Lieferketten hinzuarbeiten.

„Wir wissen, dass viele Produzenten und Futtermittelhersteller dieses Thema bereits ernst nehmen. Wir wollen sie honorieren und andere dazu anregen, ihrem Beispiel zu folgen. Der Standard hätte ohne die Arbeit und das Fachwissen unseres Multi-Stakeholder-Lenkungsausschusses nicht erstellt werden können. Ich möchte allen Beteiligten für ihren Beitrag zu diesem wichtigen Meilenstein für die gesamte Branche danken“, so Chris Ninnes weiter. 

Etwa 75 % der Inhaltsstoffe für Fischfutter stammen aus der Landwirtschaft.

Nächste Schritte

Ab jetzt beginnt eine 14-monatige Vorbereitungszeit, die es Auditoren sowie Futtermittelherstellern und ihren Lieferanten ermöglicht, sich mit dem Standard vertraut zu machen und sich auf die  Zertifizierung vorzubereiten. Nach diesem Zeitraum tritt der Standard am 01. September 2022 in Kraft und Futtermittelhersteller können sich zertifizieren lassen. Fischzuchten haben danach 24 Monate Zeit, um auf ASC-konforme Futtermittel umzustellen, um weiterhin die ASC-Standards zu erfüllen.

Der ASC stellt den Auditoren und Futtermittelherstellern zusätzliche Dokumente mit klaren Leitlinien für die Umsetzung des Standards zur Verfügung, ähnlich der Zertifizierungs- und Akkreditierungsanforderungen (CAR) für die ASC-Farmstandards. Außerdem arbeiten wir mit Herstellern zusammen, um sicherzustellen, dass diese Dokumente in der Praxis angemessen verwendet werden können, und versuchen, den Auditprozess so effizient wie möglich zu gestalten.

Während der Vorbereitungszeit werden parallel zu diesem Leitfaden Workshops abgehalten, in denen Stakeholder mehr erfahren und Fragen stellen können. 

Den vollständigen Standard und weitere Informationen finden Sie auf der Seite zum Futtermittelstandard.

Mitglieder des Lenkungsausschusses:

  • Andrew Jackson, IFFO/MarinTrust 
  • Eduardo Goycoolea, Blumar Seafoods/GSI 
  • Tor Eirik Homme, Griegs Seafood/GSI 
  • Ally Dingwall, Sainsbury’s 
  • Trygve Berg Lea, Skretting 
  • Dave Robb, Cargill 
  • Vidar Gundersen, Biomar 
  • Yaowaluk, CP Thailand 
  • GC Latha, CP India 
  • Blake Lee-Harwood, Sustainable Fisheries Partnership 
  • Dawn Purchase, Marine Conservation Society 
  • Henk Peters, Oxfam 
  • Merrielle Macleod, WWF-US

Pressekontakt 

Maren Pfalzgraf   

Communications Managerin DACH                                                                                                         

maren.pfalzgraf@asc-aqua.org  

 

Published on
Montag, 14 Juni 2021
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