Fisch nachhaltig einkaufen: Acht einfache Regeln für den Einkauf im Supermarkt
August 31, 2026
Acht praktische Hinweise für den Einkauf von Fisch und Meeresfrüchten
Wenige Informationen helfen Verbraucherinnen und Verbrauchern dabei, Herkunft, Fang und Zucht von Fischprodukten beim Einkauf besser einzuordnen.
Mit dem Ende der Ferienzeit rückt für viele Menschen wieder der Einkauf für den Alltag in den Mittelpunkt. Gerade bei Fisch und Meeresfrüchten stellen sich häufig dieselben Fragen: Welche Produkte kommen infrage? Woran lässt sich ihre Herkunft erkennen? Und welche Angaben auf der Verpackung helfen bei der Auswahl?
Ein bewusster Fischeinkauf muss nicht kompliziert sein. Die folgenden acht „Check deinen Fisch!“-Regeln bieten Orientierung – ganz gleich, ob an der Frischetheke, im Kühlregal oder in der Tiefkühlabteilung.
„An der Fischtheke oder im Kühlregal fällt die Entscheidung häufig innerhalb weniger Sekunden. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen dafür nicht sämtliche Unterschiede zwischen Fischarten, Fanggebieten und Fangmethoden kennen. Zertifizierungssiegel können zeigen, ob eine Fischerei oder ein Zuchtbetrieb nach den Anforderungen des jeweiligen Programms unabhängig geprüft wurde und ob für das Produkt eine zertifizierte Lieferkette besteht.“
Kathrin Runge, Program Manager Marine Stewardship Council (MSC)
1. Auf unabhängige Zertifizierungen achten
Zertifizierungssiegel können beim Einkauf eine schnelle Orientierung bieten. Das blaue MSC-Siegel kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte aus Fischereien, die unabhängig nach den Anforderungen des MSC-Fischereistandards geprüft wurden. Das ASC-Siegel kennzeichnet Produkte aus Zuchtbetrieben, die nach den jeweils anwendbaren Umwelt-, Sozial- und Tierwohlanforderungen des ASC geprüft wurden.
Für Produkte mit ASC- oder MSC-Siegel gelten außerdem Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit innerhalb der zertifizierten Lieferkette. Die Siegel stehen dabei nicht für eine Produktion ohne Umweltauswirkungen, sondern für die Prüfung festgelegter Anforderungen.
2. Nicht nur auf die Fischart schauen
Wie die Herkunft eines Fischprodukts einzuordnen ist, lässt sich nicht allein an der Fischart erkennen. Bei Wildfisch spielen unter anderem der Zustand des Bestands, das Fanggebiet, die Fangmethode und das Fischereimanagement eine Rolle. Bei Zuchtfisch sind beispielsweise die Bedingungen im Zuchtbetrieb sowie die dort geltenden Umwelt-, Sozial- und Tierwohlanforderungen relevant.
Deshalb lohnt es sich, die Herkunftsangaben auf der Verpackung zu prüfen und auf unabhängige Zertifizierungen zu achten.
3. Die Auswahl erweitern
Lachs und Thunfisch gehören zu den häufig gekauften Fischarten. Daneben sind zahlreiche weitere Arten mit ASC- oder MSC-Siegel erhältlich. Wer unterschiedliche Arten ausprobiert, kann neue Geschmacksrichtungen und Zubereitungsformen entdecken.
Wichtig ist dabei: Eine Bewertung gilt nicht automatisch für eine gesamte Fischart. Fanggebiet, Fangmethode, Zuchtbetrieb und Zertifizierungsstatus können sich von Produkt zu Produkt unterscheiden.
Der Europäische Aal wird auf der Roten Liste der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Seine Aufzucht ist zudem weiterhin auf wild gefangene Jungtiere angewiesen. Verbraucherinnen und Verbraucher können daher auf andere Fischarten ausweichen. Weitere Informationen bietet die Europäische Kommission.
4. Saisonangaben richtig einordnen
Was bei Erdbeeren oder Spargel eine hilfreiche Orientierung sein kann, lässt sich nicht unmittelbar auf Fisch übertragen. Bezeichnungen wie Matjeshering, Maischolle oder Skrei beziehen sich unter anderem auf Fangzeit, Reifegrad oder Vermarktungstraditionen. Sie machen für sich genommen keine Aussage über die Umweltwirkungen des jeweiligen Produkts.
Für die Einordnung sind vielmehr Angaben zu Herkunft, Fang oder Zucht sowie eine gegebenenfalls vorhandene unabhängige Zertifizierung relevant.
5. Lebensmittelverschwendung vermeiden
Fisch sollte möglichst vollständig verwertet werden. Es empfiehlt sich daher, nur die tatsächlich benötigte Menge einzukaufen und die Hinweise zu Kühlung, Haltbarkeit und Zubereitung zu beachten. Bei ganzen Fischen können Gräten und Karkassen beispielsweise für einen Fischfond verwendet werden.
6. Tiefkühlfisch passend einsetzen
Tiefkühlprodukte sind häufig bereits portioniert und lassen sich länger aufbewahren. Besonders in kleineren Haushalten kann dies helfen, nur die benötigte Menge zuzubereiten und ungenutzte Lebensmittelreste zu vermeiden.
Auch bei Tiefkühlprodukten lohnt sich ein Blick auf Herkunftsangaben und Zertifizierungssiegel.
7. Fisch als Teil einer abwechslungsreichen Ernährung genießen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu essen. Fettreiche Arten liefern langkettige Omega-3-Fettsäuren; Seefisch kann außerdem eine natürliche Jodquelle sein. Grundlage bleibt eine abwechslungsreiche Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel. Weitere Informationen enthält die aktuelle Empfehlung der DGE.
ASC- und MSC-Siegel beziehen sich auf die zertifizierte Herkunft und Lieferkette. Sie sind keine Gesundheits- oder Nährwertkennzeichnung.
8. Umweltaussagen genau prüfen
Ab dem 27. September 2026 sind die nationalen Vorschriften zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2024/825 anzuwenden. Sie schränken unter anderem allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ oder „grün“ ein, wenn die dafür erforderliche anerkannte Umweltleistung nicht nachgewiesen werden kann. Auch für Siegel mit Umwelt- oder Sozialaussagen gelten konkrete Anforderungen.
Beim Einkauf empfiehlt es sich deshalb, auf klar abgegrenzte Aussagen zu achten: Worauf bezieht sich die Angabe? Welche Kriterien gelten? Wer kontrolliert deren Einhaltung? Und sind weiterführende Informationen öffentlich zugänglich?
„Das ASC-Siegel kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte aus Zuchtbetrieben, die nach den jeweils geltenden Anforderungen des ASC-Programms unabhängig geprüft wurden. Diese betreffen unter anderem Ökosysteme, Ressourcennutzung, Tierwohl und Arbeitsbedingungen. Für ASC-zertifizierte Garnelen gelten zudem konkrete Vorgaben: Garnelen, die im zertifizierten Betrieb mit Antibiotika behandelt wurden, dürfen nicht als ASC-zertifiziert verkauft werden. Darüber hinaus enthalten die Standards Anforderungen zum Umgang mit Mangroven, Feuchtgebieten und anderen ökologisch sensiblen Lebensräumen.“
Dennis Wittmann, General Manager DACH, Aquaculture Stewardship Council (ASC)
Informationen für eine bewusste Kaufentscheidung
Ob an der Frischetheke oder im Tiefkühlregal: Angaben zu Herkunft, Fang oder Zucht sowie unabhängige Zertifizierungen helfen dabei, Fischprodukte besser einzuordnen. Wer außerdem unterschiedliche Arten auswählt, passende Mengen einkauft und Lebensmittel möglichst vollständig verwertet, berücksichtigt mehrere relevante Aspekte bei der Kaufentscheidung.
Über die Initiative „Check deinen Fisch!“
Die 2019 von ASC und MSC gegründete Initiative „Check deinen Fisch!“ (www.check-deinen-fisch.org) informiert jedes Jahr während eines DACH-weiten Aktionsmonats über die Herkunft von Fisch und Meeresfrüchten, unterschiedliche Fang- und Zuchtmethoden sowie die Zertifizierungsprogramme von ASC und MSC.
Die diesjährige Aktion findet den gesamten September über gemeinsam mit Partnern des Lebensmittelhandels in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.