Der ASC startet Stakeholder-Konsultation zu neuen Lieferkettenanforderungen
März 2, 2026
Fokus auf Menschenrechte, Schlachtung nach Tierwohlkriterien und Lebensmittelsicherheit
Der Aquaculture Stewardship Council (ASC) startet heute, am 2. März 2026, eine 60-tägige öffentliche Konsultation zu vorgeschlagenen Änderungen seines Chain of Custody Moduls (CoC). Die Konsultation ist Teil des umfassenden Programms des ASC zur Stärkung sozialer Anforderungen und des Tierwohls entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Fisch und Meeresfrüchte. Gleichzeitig unterstreicht sie das klare Bekenntnis des ASC zu glaubwürdiger Sicherung, Transparenz und einem intensiven Stakeholder-Dialog.
Mit den vorgeschlagenen Anpassungen will der ASC Anforderungen zu Menschenrechten und zu einer Schlachtung unter Einhaltung von Tierwohlkriterien einführen sowie die Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit weiterentwickeln. Ziel ist es, diese Neuerungen praxisnah umzusetzen und gleichzeitig die bestehende Angleichung an die Anforderungen des MSC Chain of Custody Standards beizubehalten.
Im Rahmen der Konsultation stehen die konkreten Vorschläge im Entwurf des Supply Chain Moduls v1.0 im Mittelpunkt. Ein besonderer Fokus liegt auf der praktischen Umsetzbarkeit. Der ASC ruft Unternehmen entlang der Lieferkette, Zertifizierungsstellen, Einzelhandel, Umwelt-, Tierwohl- und Sozialorganisationen sowie Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen ausdrücklich dazu auf, sich mit Feedback einzubringen.
Das Modul enthält aktualisierte Anforderungen für CoC-Zertifikatsinhaber:innen und Zertifizierungsstellen. Darüber hinaus lädt der ASC zu Rückmeldungen zu weiteren Elementen im Bereich Rückverfolgbarkeit und Konformität ein.
Wendy Banta, Head of Supply Chain Assurance beim ASC, erklärt: „Wir schlagen Anforderungen vor, die Menschenrechte respektieren und fördern. Dabei setzen wir auf einen risikobasierten Verifizierungsansatz. Zudem wollen wir sicherstellen, dass Schlachtungen, sofern sie über den Zuchtbetrieb hinaus stattfinden, artgerecht und unter Einhaltung unserer Tierwohlkriterien erfolgen. Gleichzeitig stärken wir die Lebensmittelsicherheit, ohne die Praxistauglichkeit für Unternehmen aus dem Blick zu verlieren und bleiben weiterhin eng an bestehenden Standards ausgerichtet.“
Sie ergänzt: „Wir sind sehr daran interessiert zu erfahren, ob diese Vorschläge in der Praxis umsetzbar sind und wie sie glaubwürdige, transparente und verantwortungsvolle Lieferketten bestmöglich unterstützen können.“
Die aktuelle Konsultation baut auf einer Vorabkonsultation aus dem Jahr 2025 auf. Damals holte der ASC breiteres Feedback zur strategischen Weiterentwicklung des Moduls ein. Insgesamt gingen 106 Rückmeldungen aus der gesamten Wertschöpfungskette ein, darunter von Unternehmen der Lieferkette, Einzelhändlern, Auditor:innen und Nichtregierungsorganisationen.
Zentrale Konsultationsinhalte
Im Bereich Menschenrechte plant der ASC die Einführung eines vereinfachten Verhaltenskodex für die Lieferkette, der an die Anforderungen der ASC Farm- und Futtermittelstandards angelehnt ist. Statt sich ausschließlich auf regelmäßige Sozialaudits durch Dritte zu stützen, sieht der Vorschlag einen kombinierten Ansatz vor. Dazu zählen dokumentenbasierte Menschenrechtsprüfungen durch CoC-Auditor:innen, risikobasierte unangekündigte Bewertungen, Transparenzanforderungen zu Menschenrechtspraktiken sowie klare Prozesse zur Abhilfe bei Verstößen.
Die Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit bleiben grundsätzlich bestehen, werden jedoch angepasst, um die Umsetzung zu erleichtern. Vorgesehen ist unter anderem, die Lebensmittelsicherheit von einer Zulassungsvoraussetzung in eine reguläre Standardklausel zu überführen. Zudem sollen als gleichwertig anerkannte Systeme berücksichtigt werden, beispielsweise Japan Food Safety Management B. Die Umsatzschwelle für Ausnahmen soll von zwei Millionen Euro auf zehn Millionen Euro Jahresumsatz angehoben werden.
Auch die Leitlinien zur Bewertung von Betrugsanfälligkeiten werden vereinfacht. Ein optionales Musterdokument soll insbesondere Unternehmen mit geringerer Erfahrung in diesem Bereich unterstützen.
Die Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Konformität bauen weiterhin, wo möglich, auf den Regelungen des MSC Chain of Custody Standards auf. Zusätzlich schlägt der ASC neue Integritätsmaßnahmen vor. Dazu gehören die Erhebung geografischer Koordinaten zertifizierter Standorte sowie die Möglichkeit, Auflagen zu erteilen, wenn Kriterien zur Nichtzulassung aktiviert werden.
Der Marine Stewardship Council überprüft derzeit seinen Chain of Custody Standard, um dessen Relevanz, Glaubwürdigkeit und Zugänglichkeit weiterhin sicherzustellen. Eine 60-tägige öffentliche Konsultation zu den vorgeschlagenen Änderungen wird ab Mitte März für alle interessierten Stakeholder geöffnet.