Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) The State of World Fisheries and Aquaculture 2022 (SOFIA) ist ein wichtiges Referenzdokument, das es uns ermöglicht, den Überblick über Umfang und Tragweite unserer Arbeit zur Verbesserung der Standards in der gesamten Branche zu behalten.

Der aktuelle SOFIA-Report wurde Ende Juni veröffentlicht. Im Folgenden möchten wir die für uns daraus resultierenden wichtigsten Erkenntnisse mit Ihnen teilen und erklären, was sie für den ASC bedeuten:

  • Die Aquakulturproduktion ist auf einem Rekordhoch (122,6 Millionen Tonnen im Jahr 2020)

Im Jahr 2020 erreichte die tierische Aquakulturproduktion mit 87,5 Millionen Tonnen einen Höchststand: Sechs Prozent mehr als im Jahr 2018, 30 Prozent mehr als der Durchschnitt in den 2000er Jahren und mehr als 60 Prozent über dem Durchschnitt in den 1990er Jahren.

Asien dominierte weiterhin die weltweite Aquakultur mit einem Anteil von 91,6 Prozent an der Gesamtproduktion. Neben Wassertieren wurden weitere 35,1 Millionen Tonnen Algen für Lebensmittel und andere Zwecke sowie 700 Tonnen Muscheln und Perlen zur Zierde gezüchtet, was einem Lebendgewicht von insgesamt 122,6 Millionen Tonnen im Jahr 2020 entspricht.

Die Zahlen zeigen, wie wichtig es für den ASC ist, eine globale Marktabdeckung anzustreben. Die derzeit 11 artenspezifischen Standards vom ASC decken rund 45 Prozent der tierischen Aquakulturproduktion ab. Mit dem zukünftigen angepassten Standard für Zuchtbetriebe werden wir diesen Anteil weiter steigern können. ASC betreibt auch einen gemeinsamen Algenstandard mit dem MSC, der alle Arten von Makro- und Mikroalgen abdeckt.

  • Bei einer nachhaltigen Erzeugung hat der Sektor ein großes Potenzial, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren

Mit dem Anstieg der aquatischen Produktion (womit die Produktion von Fischen, Weichtieren, z. B. Muscheln, Krebstieren und weiteren aquatischen Organismen gemeint ist) ist der Beitrag aquatischer Lebensmittel, ausgenommen Algen, zur globalen Ernährungssicherheit und Ernährung seit 1961 um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr auf 20,2 kg pro Kopf gestiegen. Der Verbrauch ist heute mehr als doppelt so hoch wie in den 1960er Jahren. Verbesserungen der Praktiken nach der Ernte und Änderungen der Ernährungstrends werden voraussichtlich zu einem Anstieg des aquatischen Lebensmittelverbrauchs um 15 Prozent führen, sodass im Jahr 2030 durchschnittlich 21,4 kg pro Kopf verbraucht werden.

Während die Aquakultur eine immer größere Rolle bei der stetigen Versorgung mit ressourceneffizientem und erschwinglichem Fisch und Meeresfrüchten spielt, kann sie aber auch den Druck auf die Ökosysteme erhöhen, wenn sie nicht verantwortungsbewusst betrieben wird. Der Bericht hebt daher die Relevanz der Mission des ASC hervor, den Sektor an nachhaltigere Praktiken anzupassen. 

Im Durchschnitt essen deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher 14,1 Kilogramm Fisch im Jahr (Stand 2020).
  • Die aquatische Lebensmittelproduktion unterstützt Millionen von Menschen, benötigt aber bessere Arbeitsbedingungen für Kleinproduzenten 

Dem SOFIA-Bericht zufolge sind allein 20,7 Millionen Menschen in der Primärproduktion in der Aquakultur tätig, 28 Prozent davon sind Frauen. Der Bericht zeigt, dass Kleinproduzenten immer noch gefährdet sind, mit manchmal prekären Arbeitsbedingungen. Die ASC-Sozialaudits, die in all unseren Fisch-, Schalentier-, Algen- und Futtermittelstandards enthalten sind, können hier wirklich etwas bewirken. Nämlich indem sie sicherstellen, dass Zuchtbetriebe Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen erfüllen, faire Löhne zahlen, Arbeitende gut behandeln und mit örtlichen Gemeinden zusammenarbeiten. Darüber hinaus wurde das ASC Improver Programme speziell entwickelt, um Verbesserungen in Betrieben zu unterstützen, die keine ASC-Zertifizierung erreichen können, was häufig bei kleinen oder technisch weniger ausgerüsteten Betrieben der Fall ist. Dieser Ansatz ist von grundlegender Bedeutung, um die Zertifizierung zugänglicher zu machen und Nachhaltigkeit und gerechte Entwicklung auf globaler Ebene sicherzustellen.

  • Die Notwendigkeit einer „Blauen Transformation“

In dem Bericht fordert die FAO eine gezielte „Blue Transformation“, um den Fischerei- und Aquakultursektor nachhaltiger, integrativer und gerechter zu machen, sodass die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) erfüllt werden können.

„Das Wachstum von Fischerei und Aquakultur ist für unsere Bemühungen zur Beendigung des weltweiten Hungers und der Mangelernährung von entscheidender Bedeutung, aber in diesem Sektor sind weitere Veränderungen erforderlich, um sich den Herausforderungen besser stellen zu können. Wir müssen die Ernährungssysteme umgestalten, um sicherzustellen, dass aquatische Lebensmittel nachhaltig produziert und Lebensgrundlagen gesichert, sowie aquatische Lebensräume und Biodiversität geschützt werden“, erklärt FAO-Generaldirektor QU Dongyu.

Wir haben kürzlich untersucht, wie unsere Standards, Anforderungen und Zertifizierungsprozesse den SDG-Zielen entsprechen. Wir haben festgestellt, dass 49 Prozent der 169 SDG-Ziele in den Bereich der Aquakultur fallen und dass das ASC-Programm diese Ziele um mehr als 80 Prozent über alle 17 SDGs hinweg entweder gut oder sehr gut adressiert.

Veröffentlicht am
Montag, 01 August 2022
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