Ein Beitrag von Robert Parker, ASC Senior Co-ordinator – Greenhouse Gas Emissions

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26) die dieses Jahr in Glasgow stattfand, war das 26. Treffen seit der Verabschiedung des UN-Rahmenübereinkommens über den Klimawandel in Rio de Janeiro 1992. Nach so vielen Jahren ist echtes Handeln dringender denn je. Das wurde nach einem weiteren Jahr, das von extremen Wetterereignissen und rekordverdächtigen Temperaturen auf der ganzen Welt geprägt war, sowie den eindringlichen Warnungen des Berichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für den Klimaänderungen (IPCC) in diesem Sommer deutlich gemacht. Wir haben keine Zeit mehr zu warten: Wir müssen jetzt drastische Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ergreifen, wenn wir katastrophale Schäden an ökologischen und menschlichen Systemen vermeiden wollen.

Die Auswirkungen unserer Lebensmittel

Schätzungsweise machen die Lebensmittelsysteme zwischen einem Viertel und einem Drittel der globalen Treibhausgasemissionen aus.¹ Das entspricht den Emissionen aller Autos, Lastwagen, Züge, Schiffe und Flugzeuge weltweit. Und während im Energie- und Verkehrssektor weltweit technologische Fortschritte zur Verbesserung der Effizienz und zur Verringerung der Treibhausgasemissionen erzielt werden, steigen die Emissionen aus dem Lebensmittelsektor weiter an. Die meisten Emissionen der globalen Ernährungssysteme stammen aus der Fleischproduktion.

Während die Nutzung fossiler Brennstoffe und Elektrizität in landwirtschaftlichen Betrieben einen Teil dieser Auswirkungen ausmacht, gibt es noch größere Emissionsquellen in Lebensmittelsystemen: Methan aus den Verdauungsprozessen von Wiederkäuern wie Kühen oder aus der Güllewirtschaft, Lachgas aus dem Einsatz (und der übermäßigen Verwendung) von chemischen Düngemitteln für den Anbau von Futtermitteln und Emissionen im Zusammenhang mit der Rodung von Land für Futtermittel und Weideflächen. Tatsächlich werden drei Viertel der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Ernährung von Tieren und nicht von Menschen genutzt. Diese Nachfrage trägt zum jährlichen Verlust von Millionen Hektaren Wald bei und damit von Kohlenstoffsenken.

Weizenfeld

Rodung von Flächen für Futtermittel und Weiden ist eine wichtige Emissionsquelle

Wissen ist Macht

Die Fischzucht muss Teil der Lösung des Klimawandelproblems sein, und wir müssen anfangen, „verantwortungsvolle Aquakultur“ auch als „treibhausgasarme Aquakultur“ zu verstehen. Ganz gleich, ob es sich um Garnelen aus einem Teich, Muscheln von der Küste oder Forellen aus einer Durchflussanlage handelt, es ist wichtig, dass die Erzeuger ihren Kohlenstoff-Fußabdruck kennen und nachweisen können, dass ihre Produkte und ihre Produktionssysteme in eine kohlenstofflimitierte Welt passen. Viele Fische und Meeresfrüchte weisen im Vergleich zu tierischen Eiweißquellen vom Land bereits geringere Treibhausgasemissionen auf. Wild gefangene Sardellen und andere kleine pelagische Fische sowie gezüchtete Muscheln gehören weltweit zu den effizientesten Eiweißquellen was Treibhausgase betrifft. Außerdem sind die durchschnittlichen Emissionsraten bei Aquakultur niedriger als bei Viehzucht.² Bei anderen Arten können wir forschen, warum die Emissionen höher sind, und auf deren Reduktion hinarbeiten.

Beitrag der Aquakultur

Die Aquakultur kann einen großen Beitrag zur Verringerung der globalen Emissionen leisten, indem sie Lebensmittel mit geringeren Treibhausgasemissionen anbietet als die Landtierhaltung.³ Das erfordert nicht nur eine Minimierung der Emissionen im Betrieb, sondern auch die Vermeidung emissionsintensiver Aktivitäten entlang der gesamten Lieferkette. Das bedeutet, dass wir nicht nur die Fischereien, Farmen und Futtermühlen im Blick haben, sondern auch die Verarbeitung, die Verpackung und den Vertrieb eines Produkts auf dem Weg zum Verbraucher, und dass wir entlang der gesamten Kette klimafreundliche Akteure finden müssen.

Der ASC hat Treibhausgasemissionen und Klimawandel im Laufe der Jahre auf unterschiedliche Weise in seine Standards aufgenommen. Unsere Standards für Lachs, Wolfsbarsch und Seebrasse, Plattfische und tropische Meeresfische verlangen alle die Meldung von futtermittel- und zuchtbedingten Treibhausgasemissionen. Energieeffizienzmessungen und -berichte sind in zahlreichen Standards vorgeschrieben. Des weiteren haben wir sowohl Beschränkungen für die Abholzung von Mangroven als auch für die Verwendung von Soja- und Palmöl für Fischfutter, die mit der Abholzung in Verbindung stehen.

Unsere Pläne für weiteres Handeln

2021 müssen wir aber noch weiter gehen. Der ASC will die Aquakultur in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung umgestalten. Wenn verantwortungsvolle Aquakultur heute eine Aquakultur mit geringem Treibhausgasausstoß bedeutet, dann müssen wir einen Schritt weiter gehen. Wir sind bereit, genau das zu tun und es ist vieles in Planung.

In diesem Jahr habe ich meine Arbeit als erster leitender Koordinator für Treibhausgasemissionen bei ASC aufgenommen und ein Verfahren zur einheitlichen Messung und Einordnung der Treibhausgasauswirkungen von Aquakulturanlagen weltweit eingeleitet. Wir glauben fest an die Bedeutung von Daten für die Bewältigung dieser großen Probleme. Deshalb fordern wir die Zuchtbetriebe auf, transparent über ihre Leistungen zu berichten.

Wir sind auch der Meinung, dass die Betriebe dabei Unterstützung verdienen. Unsere Online-Treibhausgas-Tools werden die Branche bei der Messung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen unterstützen. Bei der Entwicklung dieser Instrumente werden die besten verfügbaren Methoden und Daten verwendet und bewährte Verfahren aus der wissenschaftlichen Literatur berücksichtigt. Und natürlich werden die Ergebnisse im Einklang mit der Verpflichtung der ASC zur Transparenz auch anderen Forschern zur Verfügung gestellt.

Einheitlichkeit

Wir arbeiten auch an der Verbesserung der Einheitlichkeit. Unsere verschiedenen Standards wurden über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt. Sie enthalten derzeit unterschiedliche Anforderungen an den Treibhausgas- und Energieverbrauch. Das werden wir mit der Einführung des angepassten Standards für Zuchtbetriebe ändern, der alle ASC-zertifizierten Arten umfassen wird. Damit wird sichergestellt, dass alle zertifizierten Betriebe die gleichen Anforderungen in Bezug auf Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch erfüllen müssen. Wenn die Staats- und Regierungschefs der Welt zusammentreffen, liegt das Hauptaugenmerk auf den groß angelegten politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels, und das zu Recht. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Bekämpfung der Klimakrise Veränderungen in allen Bereichen unseres Lebens und auf allen Ebenen erfordert. Das bedeutet, dass sich jede Branche verändern muss. Wir von ASC sind entschlossen, dazu beizutragen, dass die Aquakultur mit gutem Beispiel vorangeht.

 

¹ Vermeulen et al., (2012), https://www.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev-environ-020411-130608Crippa et al., (2021), https://www.nature.com/articles/s43016-021-00225-9

² Gephart et al., (2021), https://www.nature.com/articles/s41586-021-03889-2Poore and Nemecek (2018), https://www.science.org/doi/10.1126/science.aaq0216 

³ Hoegh-Guldberg et al., (2019), WRI https://dev-oceanpanel.pantheonsite.io/sites/default/files/2019-09/19_HLP_Report_Ocean_Solution_Climate_Change_final.pdf 
Veröffentlicht am
Mittwoch, 10 November 2021
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